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Traumjob Pro-Gamer*In oder Streamer*In?

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Die professionelle Gaming Szene boomt. eSports-Turniere bieten regelmäßig Preisgelder in Millionenhöhe an und ziehen ebenso große Zuschauer*innenmassen in ihren Bann. Zugleich gibt es immer mehr Streamer*innen, die sich selbst für tausende Zuschauer*innen beim Zocken filmen und dafür jährlich sechs oder siebenstellige Summen auf ihr Konto überwiesen bekommen. Es verwundert also kaum, dass sich immer mehr junge Menschen einen Beruf als professionelle*r Gamer*in vorstellen können. Auf dem Weg zum Profi warten allerdings jede Menge Hürden und Gefahren, die beweisen, dass der vermeintliche Traumjob alles andere als einfach ist. 

Die Gaming-Szene in Österreich 

Für viele junge Gamer*innen ist professionelles Gaming in ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. So folgen sie ihren Lieblingsspieler*innen auf diversen Social Media Kanälen, sehen sich ihre Youtube-Videos an oder schauen ihnen live beim Zocken auf Streaming-Plattformen, wie geht’s Twitch.tv zu. Auch eSports-Turniere, die mittlerweile ganze Stadien füllen und Millionen Zuschauer*innen aus der ganzen Welt anlocken, sind für viele Menschen keine Besonderheit mehr. Doch mittlerweile ist professionelles Gaming auch im Mainstream angekommen. In Österreich sorgte der Kärntner Fortnite-Spieler David AquaWang im Juli 2019 für Aufsehen, als er gemeinsam mit seinem Teamkollegen ein Preisgeld von drei Millionen Dollar (2,69 Mio. Euro) bei der Fortnite Weltmeisterschaft erspielte. Der eSports-Verband Österreich (ESVÖ) zählt mittlerweile stolze vierzigtausend Mitglieder, Tendenz steigend. Auch im Bereich Streaming gibt es in Österreich mittlerweile viele, die ihr Hobby erfolgreich zum Beruf gemacht haben. Doch wie lebt es sich als professionelle*r Gamer*in und welche Hürden gilt es auf dem Weg nach oben zu überwinden? 

Der Alltag als Profi-Gamer*in 

Seine Lieblingsspiele spielen und dafür Geld bekommen, hört sich simpel an, doch um davon leben zu können, braucht es mehr als eine Webcam und Spaß am Spiel. Viele erfolgreiche Streamer*innen filmten sich monate- oder sogar jahrelang für mehrere Stunden täglich, ohne dabei mehr als eine handvoll Zuschauer*innen zu haben, wie der Salzburger „Whitey Dude“ in einem Interview mit der Zeitung „der Standard“ bestätigte. Neben extrem langen Arbeitszeiten, von acht bis zwölf Stunden am Tag, ist vor allem eines für die Communities von Streamer*innen wichtig: Regelmäßigkeit. Denn als Streamer*in kann man auf drei Weisen Geld verdienen: Erstens, durch sogenannte „Abonnent*innen“, die den/die Streamer*in durch monatliche Zahlungen unterstützen. Davon geht im Fall von “Twitch.tv” die Hälfte des Geldes an die Plattform und die andere Hälfte an den/die Streamer*in. Zweitens, durch Werbeeinnahmen innerhalb des Streams, die ebenfalls mit der jeweiligen Zuschauerzahl zusammenhängen. Drittens, durch Sponsoring-Verträge mit diversen Firmen. Alle diese Einnahmequellen hängen direkt mit der Regelmäßigkeit und der Anzahl der Zuschauer*innen zusammen. Wie fragil diese Einnahmequellen tatsächlich sein können, zeigt der erfolgreiche US-amerikanische Fortnite Streamer Tyler “Ninja” Blevins. Dieser hatte im Jahr 2018 vierzigtausend Abonnent*innen verloren, bloß weil er zwei Tage lang nicht gestreamt hat. Auch für Krankheiten, Urlaube oder einfach eine Auszeit bleibt somit als professionelle*r Streamer*in wenig Zeit. 

Für Profi-Gamer*innen, deren primäre Einnahmequellen nicht das Streamen, sondern Turnier- Preisgelder und Sponsoring-Verträge sind, sieht die Situation ähnlich aus. Denn, um zu den Besten zu zählen und auf höchstem Niveau mit zu spielen, müssen Spieler*innen jeden Tag stundenlang trainieren. Die Konkurrenz ist groß und wie in anderen professionellen Sportarten ist die Chance es ganz nach oben zu schaffen verschwindend gering. Aus dem vermeintlichen Hobby wird somit schnell knallharte Arbeit! 

eSports Organisationen und Knebelverträge 

Ein Aspekt, der im Bereich eSports oft übersehen wird, ist die Rolle sogenannter eSports Organisationen. Diese nehmen vielversprechende Talente unter Vertrag, zahlen ihnen ein monatliches Gehalt und ermöglichen ihnen die Teilnahme an Turnieren. Außerdem beschaffen sie ihnen Sponsoring-Partnerschaften und sorgen mit ihrem Ruf in der Szene direkt und indirekt dafür, dass die Spieler*innen bekannter werden. Kaum ein*e erfolgreiche*r Streamer*in oder Pro-Gamer*in hat es ohne die Hilfe solcher Organisationen geschafft vom Gaming leben zu können. Die Ausgangslage ist eine vermeintliche Win-Win-Situation. Die Spieler*innen profitieren vom Ruf der Organisationen, ihrem Know-how sowie von ihren Kontakten in der Szene. Diese wiederum bekommen im Gegenzug von (fast) allen Einnahmen der Spieler*innen ein Stückchen ab. In der Realität sieht die Situation leider oftmals anders aus, wie der Fall des berühmten Streamers Turner „Tfue“ Tenney zeigt. Dieser stand seit 2018 beim Gaming-Powerhouse „FaZe Clan“ unter Vertrag, bis er den Clan 2019 aufgrund unfairer Vertragsbedingungen klagte. Grund für die Klage war eine vermeintliche Klausel, die es der Organisation erlaubte, bis zu achtzig Prozent der Einnahmen des Gamers, aus verschiedensten Quellen, für sich zu beanspruchen. Während der „FaZe Clan“ behauptet von dieser Klausel keinen Gebrauch gemacht zu haben und angeblich insgesamt „nur“ sechzigtausend Dollar von Tfue kassierte, zeigt der Fall ein weiteres Problem des professionellen Gamings: die Macht von eSports Organisationen. Denn besonders junge, aufstrebende Gamer*innen brauchen deren Unterstützung, um in der Szene Fuß fassen zu können. Diese Abhängigkeiten werden teilweise schamlos ausgenutzt, um durch unfaire (und teilweise sogar illegale) Vertragsbedingungen von den Spieler*innen zu profitieren. 

Also: eSport als Beruf?

All das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht versuchen sollte seinem Traum Profi-Gamer*in zu werden nachzugehen. Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass der Weg nach oben harte Arbeit, jede Menge Glück und sehr viel Zeit und Durchhaltevermögen erfordert. Und das Wichtigste: Unterschreibe niemals einen Vertrag, ohne ihn auf seine Legalität und Fairness überprüfen zu lassen, egal wie verlockend das Angebot auch klingen mag!

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