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Wie Soziale Medien die Debatte um psychische Gesundheit verdrehen

Man kann nicht alles weg meditieren oder sich glücklich tanzen. Manchmal findet man einfach nicht zurück in sein „Zen“ und wenn doch, folgt danach nicht immer ein „Glow Up“. Warum es in Ordnung ist, sich schlecht zu fühlen, auch wenn es auf Sozialen Medien scheinbar allen ganz wunderbar geht.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, aber manchen fehlt die Glut

Speakerin, Podcasterin und Coach Laura Malina Seiler lädt ihre 233 Tausend Follower auf Instagram dazu ein, sich für ihre „Rise Up and Shine University“ anzumelden oder ihre „Higher Self“-App herunterzuladen, um die eigene „Schöpferkraft“ zu entdecken. Was sich erst einmal schwammig anhört, bedeutet im Prinzip nur, dass man sein Leben selber in der Hand hat und nach Belieben frei gestalten kann, dass man alles erreichen kann, was man nur will.

Damit propagiert Seiler, wie auch andere Life-Coaches, Law-of-Attraction-Anhänger und Selbstoptimierungsbücher, eine Sache: Toxic positivity oder auf deutsch toxische Positivität. Negative Ereignisse werden ausgeblendet und in allem wird  versucht „doch mal das Positive“ zu sehen. Nach dem Gesetz der Anziehung oder dem Law of Attraction, zieht man immer das an, was man ausstrahlt. Eine positive Person zieht also weitere positive Erlebnisse in ihr Leben, während einer negativ eingestellten Person eher schlechte Dinge passieren. Coaches, Gurus und selbsternannte „spirituell Erleuchtete“ suggerieren, dass alles möglich ist, wenn man seine innere Einstellung ändert. 

Zurück bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Wenn es einem trotz allem schlecht geht, hat man sich wohl nicht genug angestrengt oder nicht positiv genug gedacht. Jede*r ist seines eigenen Glückes Schmied. Dabei wird oft vergessen, dass nicht jede*r die nötige Glut hat, nicht alle haben Zugang zu den gleichen Ressourcen, die gleiche Resilienz, die gleichen genetischen Faktoren. Nicht bei allen besteht eine neurobiologische Balance aus Botenstoffen, Stresshormonen und Serotonin.

„Authentizität: Den Tatsachen entsprechend und deshalb glaubwürdig“ ?

Neben den Verfechter*innen der toxisch positiven Bewegung, versuchen immer mehr Influencer*innen nun auch die Schattenseiten ihres aufregenden Lebens zu zeigen: Alles für mehr #realness. Ganz „authentisch“ zeigen sie sich mit verwischter Mascara und tränenden Augen und schreiben, wie traurig sie sind, dass die tolle Zeit in LA jetzt vorbei ist, aber nun ja, die guten Tage vergehen leider genauso, wie die schlechten.

Dabei soll niemandem abgesprochen werden, dass es ihm oder ihr gar nicht so schlecht gehen kann, weil „sie doch alles haben“, weil „sie sich doch glücklich schätzen können, weil“…Nein.

Aber was macht das mit Menschen, die unter Depressionen oder Angstzuständen leiden, wenn sich auf einmal alle „irgendwie depressiv“ fühlen? Der Diskurs verschiebt sich und psychische Erkrankungen erscheinen weniger drastisch und werden nicht mehr für das wahrgenommen, was sie sind. Vielmehr provoziert es Kommentare wie „Das ist nur eine Modekrankheit“ oder  „Ich war auch schon mal schlecht drauf“. Dabei sollten psychische Erkrankungen keinesfalls verharmlost werden. Oft sagen wir, wir fühlen uns „getriggert“, wenn wir eigentlich meinen wir sind genervt oder etwas regt uns auf. Damit nehmen wir denjenigen die Sprache, sich auszudrücken, wenn Gesagtes oder Geschehnisse tatsächlich traumatische Erfahrungen wieder hervorrufen.

Quelle: stiftung-gesundheitswissen.de

Die perfekte Welle – gibt es nicht

Oft werden psychische Krankheiten  von Hausärzt*innen nicht erkannt. Stattdessen „werden fragwürdige Medikamente und suchtfördernde Beruhigungsmittel verschrieben“, kritisiert Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeut*innenkammer Nordrhein-Westfalen im Ärzteblatt.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass ca. jede 4. Person einmal in ihrem Leben von einer psychischen Krankheit betroffen sein wird, sind psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst-, Schlaf- oder Essstörungen gesellschaftlich immer noch stark stigmatisiert. Auf der einen Seite ist es deshalb natürlich gut, dass psychische Krankheiten mehr Aufmerksamkeit bekommen, auf der anderen Seite, wird es von manchen fast schon romantisiert.

Jeder und jede macht unterschiedliche Erfahrungen, aber Menschen, die mit langfristigen Gefühlen  von Ausweglosigkeit zu kämpfen haben, kann es bei Captions wie „post depression glow up“ schon sauer aufstoßen. Depressionen kommen nicht über Nacht und verschwinden auch nicht einfach so. Es kommt schleichend aus dem Hinterhalt, ohne dass man es so richtig bemerkt, aber dann wird man immer tiefer hineingezogen. Vielleicht irgendwann ganz langsam kommt man auch wieder heraus. Depressive Phasen sind bei einigen wie Wellen, man fließt von guten zu schlechten Tagen. So wie sich das Wasser bei Ebbe ins Meer zurückzieht, muss man manchmal von allem verschwinden sich länger zurückziehen und Kraft tanken. Die Flut danach kommt auch nicht plötzlich, sondern baut sich erst langsam auf. Genauso folgt einer depressiven Phase nicht sofort der ultimative „Glow Up“. Nicht alles ist „instaworthy“. Toxische Positivität kann nicht die Antwort auf psychische Krankheiten sein. Genauso wenig lassen sich Depressionen in schöne Bilder und Texte zwängen. Instagram ist nicht die Realität, und selbst das, was viele Influencer*innen als  Realität verkaufen, ist am Ende auch nur eine Inszenierung.

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