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Jugendsprache – über Dillos und Steilezähne

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Kennst du das? Du unterhältst dich gerade mit jemandem und plötzlich macht sich die Person über deine Art zu Sprechen lustig oder nörgelt sogar herum. Oft höre ich das von älteren Leuten – da fällt mir jetzt spontan mein Papa ein, der sich immer über  „voll geil“ aufregt und fragt, ob ich überhaupt wisse, was das bedeute. Für ihn ist der Begriff eben noch immer unter sexueller Erregtheit, oder besonders fettigen Gerichten, abgespeichert. Noch lustiger finde ich, wenn sich manche über das Denglische aufregen. Da werden dann zum Beispiel „ziemlich nice“ oder „creepy“ gerne belächelt. 

Anstatt sich darüber zu freuen, dass wir jungen Leute im Englischen so bewandert sind, reden sie von einem Niedergang der Sprachkultur. In Frankreich gibt es sogar schon seit 1994 ein Gesetz, welches den Leuten vorschreibt, dass zum Beispiel bei Produktnamen, Pressemitteilungen oder in Werbungen die französische Sprache zu benutzen ist. Ursprünglich war sogar ein komplettes Verbot von Anglizismen und stattdessen eine Kommission zur „Erfindung“ neuer französischer Worte angedacht, doch hat sich das aufgrund der Rede- und Meinungsfreiheit nicht durchsetzen können. Erstaunt, über diese Negativität -die so manchen „Jugendslangs“ entgegengebracht wird –  hat mich interessiert, wie das denn früher so war. Also habe ich einmal bei meinen Eltern und Großeltern nachgefragt, was dann im zweiten Teil in den nächsten Tagen zu lesen sein wird. 

Vorab noch ein kurzer Einblick ins Thema: Die Jugendsprache existiert ja eigentlich gar nicht. Dafür gibt es viel zu viele Unterschiede, die zum Beispiel vom Ort (z.B. Stadt/Land), Alter (z.B. spricht man mit 13 anders als mit 18 Jahren), oder auch den Interessen, die man hat (z.B. Hobbys), abhängen. Hinzu kommt, dass sich Sprache immerzu im Wandel befindet und recht schnelllebig ist – erinnerst du dich noch an die „vong“-Zeit? Besonders soziale Medien haben großen Einfluss auf die raschen Veränderungen, aber auch die Entwicklung von Technik (etwas „downloaden“) und Wirtschaft ( „Greenwashing“). Daneben spielen auch Trends in der Musik eine große Rolle, vor allem die Rap- und Hip-Hop-Szene prägt Jugendsprache besonders in letzter Zeit stark, man denke etwa an Money Boy zurück.

Nach diesem ersten Herantasten an das Thema, könnt ihr dann demnächst die Rückblenden meiner Eltern und Großeltern nachlesen. Stay tuned! 

Doch lasst uns auch einen Blick in die Vergangenheit werfen. denn ich habe auch ein bisschen mit meinen Eltern und Großeltern geplaudert. Dabei ist noch wichtig zu erwähnen, dass meine Erzeuger in einem kleinen Vorort von Graz aufgewachsen sind, weshalb die Antworten, die ich bekam, nicht verallgemeinerbar sind. Zuerst sprach ich mit meiner Mama, die mir vor allem Ausdrücke für großes Erstaunen genannt hat: In ihrer Jugend waren da zum Beispiel „woutl“/“wouti“, „bist du Moped“, oder „alter Schwede“ besonders beliebt. Englischen Flair brachte das Wort “ok” bzw. “okey”, dem die Erwachsenen auch damals schon mit Kritik begegnet sind. Jedoch hat sie bemerkt, dass in ihrer heutigen Arbeitswelt bereits einige Worte aus dem Englischen, wie das „Teammeeting“, oder das „Essay“, eingedeutscht zur Normalität gehören. Das bemängelt wiederum mein Papa, der sich in seiner Arbeit besonders über fehlende Übersetzungen ins Deutsche aufregt, zum Beispiel, wenn bei Betriebsanleitungen das Englische vorausgesetzt wird. Er kann sich aber an Ausdrücke erinnern, die schon auf Deutsch bei seiner Mama für Verwirrung gesorgt haben. Denn wenn sie fragte, ob ihm das Essen schmeckt, hat er mit „halbwegs gut“ geantwortet, was damals unter Jugendlichen ein ziemliches Kompliment war. Da ist ihm dann weiter aufgefallen, dass nun auch vermehrt Begriffe aus Deutschland den Einzug nach Österreich geschafft haben. Heute würden einige Leute dann mit „echt lecker“ antworten. Ein „steiler Zahn“ war vor 40 Jahren übrigens eine Lady, die einem besonders gefallen hat und „ZK“ stand für Schmusen (=Zungenkuss). 

Ganz anders haben meine Großeltern reagiert, als ich sie fragte, ob sie sich noch ein paar Ausdrücke aus ihrer Jugend gemerkt haben, mit denen sie bei Älteren angeeckt sind. Meine Oma kam eher auf den Dialekt zu sprechen, konnte sich aber sonst an nichts erinnern. Sie unterstrich nur, was mein Opa dann weiter ausführte. Das damalige Motto für jüngere Leute war nämlich: „Hände foitn, Goschn hoitn!“, der den – vor allem im ländlichen Raum – vorherrschenden Katholizismus ansprach. Neben Erwachsenen hatten die Jungen still zu sein. Erst im Gasthaus – das damals noch als Disco herhalten musste – und am Sportplatz konnten sie sich der Normfreiheit hingeben. So fielen meinem Opa vorwiegend Schimpfwörter ein, zum Beispiel der „Dillo“. Dies bedeutet so viel wie „Trottl“, oder „Dodel“ und kommt zwar nicht aus dem Englischen, aber aus der Sprache der Roma. 

Auch wenn mit diesen Berichten nur ein kleiner Einblick in das riesige Thema der Jugendsprache gegeben werden kann, lässt sich gut erkennen, welch kreativen und innovativen Wert sie für unsere Kommunikation und Kultur hat. Besonders der Konflikt zwischen Jung und Alt sticht hervor, und wie das das Abwandeln der Sprache die eigene Identität und Gemeinschaft festigt. Auch der Einfluss von Fremdwörtern wird hier deutlich. Also alles easy! Wenn dich das nächste Mal jemand aufgrund deiner Ausdrucksweise schief anschaut, kannst du ihm ja vorschlagen, es einfach als natürlichen Sprachwandelzu sehen, anstatt zu bewerten. Ich für meinen Teil werde in Zukunft nachhaken, wie das denn früher so war und bin gespannt, welche Ausdrücke die Generationen vor uns noch so auf Lager haben – vielleicht kann man ja einige davon sogar wieder einführen…

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