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„Ich schaue meine Videos an und muss selber lachen“

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Lionel (34) – besser bekannt als „wurstaufschnitt“- hat im ersten Lockdown aus Langeweile einen TikTok-Account erstellt. Inzwischen hat er knapp über 30.000 Follower*innen. Wieso sich der UX Designer trotzdem nicht als Person des öffentlichen Lebens sieht hat er im Interview mit NAKE besprochen. 

Was bedeutet der Name „wurstaufschnitt”?

Wurstaufschnitt ist einfach nur Wurstaufschnitt *lacht*. Nein, der Grund ist tatsächlich, dass ich bei meinem ersten viralen Video noch meinen echten Namen benutzt habe. Danach wollte ich nicht, dass man die Videos mit meinem echten Namen assoziiert und auf Google findet. Dann habe ich einen random (zu Deutsch: zufällig) Namen genommen. Wieso ich jetzt tatsächlich so heiße, weiß ich nicht Ich vermute, dass ich etwas mit Essen nehmen wollte, weil eine Freundin von mir auf Tiktok „Toxische Pommes” heißt. Dass es „wurstaufschnitt“ geworden ist, ist auch weird (zu Deutsch: komisch) gewesen, weil ich zu der Zeit Vegetarier gewesen bin. Wahrscheinlich ein Vorbote, dass ich wieder Fleisch essen sollte… 

Welchen Content machst du?

Generell ist das breit gefächert. Man kann die Videos unter Comedy zusammenfassen und darin Themen wie LGBTQIA*, Alltagsrassismus finden. Also Themen aus einer liberalen und toleranten Ecke mit ein wenig Ironie. Ich versuche gesellschaftliche Themen in einen lustigen Kontext zu verpacken. 

Ansonsten mache ich auch Synchronvideos, also ich „duette“ andere Videos, meistens über Reality-TV Sendungen und mache mich dabei über die Menschen lustig. Früher habe ich auch Tanzvideos gemacht, aber das ist mir mittlerweile zu anstrengend. Meistens muss man sich erst eine Choreografie ausdenken und braucht 50 Takes, um den Tanz aufzunehmen. Das geht nicht so spontan wie die meisten Leute denken.

Was machst du am liebsten und kommt bei den Follower*innen am besten an?

Es gibt kein Genre, das ich am liebsten mache. Mir ist wichtig, mich so zu präsentieren, wie ich auch privat bin. Mein Humor ist nicht immer massentauglich, aber ich möchte trotzdem Videos machen, die ihn widerspiegeln. Das kommt aber auch gut bei vielen Follower*innen an. Ich glaube weil sie genauso komische Gedanken haben, wie ich. 

Meine Devise ist, mir treu zu bleiben, anstatt auf Trends zu achten. Ich schaue mir auch teilweise meine Videos drei, vier Mal an und muss dann selber lachen. Das ist ein Zeichen, dass sie auch wirklich lustig sind. 

Du sprichst vor allem ernstere und gesellschaftskritische Themen an. Wie gehst du selbst mit Hass im Netz um? 

Inzwischen gehe ich damit sehr gut um, indem ich es einfach ignoriere. Ich weiß noch, bei meinem ersten Video, das viral gegangen ist, haben die Leute etwa mein Äußeres oder meine Handbewegungen kommentiert. Das habe ich damals  sehr persönlich genommen. Ich habe aber schnell gelernt, Kommentare zu ignorieren, damit sie mich nicht so betreffen. Von dem her ist es mir inzwischen eigentlich egal. Wenn ich beim Lesen eines Kommentars an den ersten paaren Worten eine Hassbotschaft erkenne, breche ich ab und lese gar nicht zu Ende. Außer ich habe gerade gute Laune. Dann lese ich viel und antworte auch sarkastisch auf die Kommentare. Das finden auch ein paar Follower*innen lustig. Aber dazu habe ich nicht immer die emotionalen Kapazitäten. 

Ab wann hast du dich als Person des öffentlichen Lebens gefühlt? 

*grinst* Erst einmal finde ich diesen Ausdruck ganz schlimm: Leute, die sich mit 1.000 Follower*innen auf Instagram als Personen des öffentlichen Lebens bezeichnen, finde ich cringe (zu Deutsch: unangenehm, peinlich). Deshalb fühle ich mich immer noch nicht als Person des öffentlichen Lebens. 

Vor allem muss man das immer im Kontext sehen. In Wien bin, , werde ich öfter erkannt als an anderen Orten. Einige Leute sprechen mich auf der Straße an und wollen Fotos mit mir machen, was ich sehr schön finde. Aber sonst bin ich definitiv keine Person, die in der Öffentlichkeit steht – das möchte ich auch gar nicht. TikTok ist mein Hobby und das soll auch so bleiben. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn ich über Nacht Millionen Follower*innen hätte. Aktuell  fühle ich mich noch sehr als 0815-Person. 

Wie stehst du zur Kritik an TikTok?

Ich erkenne sehr viele positive Dinge an der Plattform, die auch einen positiven Effekt auf die Gesellschaft haben. Zum Beispiel die Sichtbarkeit von Minderheiten. Negativ finde ich, dass Einzelpersonen durch den Algorithmus viel Hass abgekommen können, da man sehr einfach viral gehen kann. Ich finde es auch nicht okay, dass liberaler Content genauso gepusht wird wie Rassismus oder Sexismus, solche diskriminierenden Meinungen sollten nicht viral gehen können. Im Endeffekt ist man da als TikToker*in von einer chinesischen Plattform abhängig. Und man kann nicht mehr dagegen machen als ein TikTok, in dem man erzählt wie bescheuert das ist. 

Wie fühlt man sich als Millennial (Generation 1980er- 1990er) auf der Plattform für GenZs (Generation 1997- 2010)?

Ich sehe mich tatsächlich als Millennial, aber definiere mich nicht unbedingt so extrem mit den Merkmalen. Ich habe einen generationsübergreifenden Humor. Ich glaube auch, dass ich Leute aus mindestens diesen beiden Generationen erreiche; wenn nicht sogar auch Babyboomer. Daher sehe ich das alles ziemlich locker. 

Es hält mich jung, wenn ich Videos der GenZ schaue. Ich schneide mir auch immer wieder eine Scheibe davon ab, wie offen diese Generation ist. Ich würde auch sagen, dass mir dieser offene Umgang mit Sexualität oder Minderheiten einen  Selbstbewusstseinsschub gegeben hat.

Was sind coole Erlebnisse, Projekte oder Freundschaften, die durch TikTok entstanden sind?

Der Algorithmus von TikTok ist so akkurat, dass man oft auf Leute mit gleichen Interessen trifft. Ich bin nicht der Einzige, der durch TikTok Freundschaften geschlossen hat. Da sind auch Leute dabei, die ich heute zu meinen engsten Freund*innen zähle. 

Innerhalb kürzester Zeit auf TikTok gebe ich mittlerweile Interviews, bin im Radio gewesen und wurde für bezahlte Kooperationen angefragt. Was auch sehr nett ist, als kleiner Nebenverdienst. Auf lange Frist gesehen finde ich es schön, dass ich demnächst mit meinen TikTok-Freund*innen auf Urlaub fahre – wer hätte das vor einem Jahr gedacht. 

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